Trotz intensivster Bemühungen, Gefährdungen in einem Betrieb denkbar gering zu halten, lassen sich Unfälle nicht vollständig vermeiden. Technische Störungen oder auch eine einmalige Ungeschicktheit können immer ungeahnte Folgen mit sich ziehen und dabei für Verletzungen jeder Schwere sorgen. Arbeitgeber müssen die Erste Hilfe im Betrieb organisatorisch sicherstellen. Wie viele Ersthelfer erforderlich sind, richtet sich nach der Zahl der anwesenden Versicherten und der Art des Betriebs. Sollte es zu einem Unfall kommen oder zu akuten gesundheitlichen Problemen (Schlaganfall, Herzinfarkt, …), kann schnell Hilfe geleistet werden. Schnelle und richtige Erste Hilfe kann bei schweren Unfällen oder akuten medizinischen Notfällen entscheidend sein.
Inhaltsverzeichnis
Erste Hilfe nach geltendem Gesetz
Nach § 323c StGB ist bei Unglücksfällen oder Not Hilfe zu leisten, wenn sie erforderlich und den Umständen nach zumutbar ist. Welche Hilfe zumutbar ist, hängt von der Situation und den eigenen Kenntnissen ab. Dabei muss sich niemand selbst erheblich gefährden oder andere wichtige Pflichten verletzen.
Wer keine weitergehenden Maßnahmen durchführen kann, sollte zumindest den Notruf 112 verständigen und den Anweisungen der Leitstelle folgen. Darüber hinaus sollten Arbeitgeber dafür sorgen, dass die betriebliche Erste Hilfe verlässlich organisiert ist.
- Die erforderliche Zahl betrieblicher Ersthelfer richtet sich nach der Zahl der anwesenden Versicherten und der Art des Betriebs.
- Ein Grundkurs zum betrieblichen Ersthelfer schult auch gegen Arbeitsunfälle.
- Stellen Sie nicht nur Erste-Hilfe-Kurse zur Verfügung, sondern lassen Sie auch dezidiert Ersthelfer ausbilden.
Sofortmaßnahmen sollte jeder Beschäftigte kennen
Zwar zählen Erste-Hilfe-Kurse und damit einhergehend auch die üblichen Sofortmaßnahmen längst zum Allgemeinwissen. Doch bei immer mehr Personen geraten die einst für beispielsweise den Führerschein einstudierten Handgriffe schnell wieder in Vergessenheit, weil mit der Zeit einfach die Übung fehlt. Indem hier regelmäßig durch Kurse daran erinnert und neu geschult wird, können Sie so etwas vermeiden.
Zu den Sofortmaßnahmen, die jeder beherrschen sollte, zählen wie folgt:
- Absicherung der Unfallstelle
- Retten aus Gefahrenzone
- Notruf absetzen (112 anrufen)
- Wiederbelebung durch Herz-Lungen-Massage
- Starke Blutungen stillen
- Maßnahmen bei Schockzuständen
- Stabile Seitenlage
Diese sind darüber hinaus stets in genannter Reihenfolge anzuwenden, soweit Notwendigkeit besteht.
Die 5 Notruf-W’s
- Wo hat sich der Notfall ereignet? (Ort, Straße inkl. Hausnummer, welches Betriebsgebäude wo sind die Zufahrtswege, welches Stockwerk; beim Anruf nicht auflegen, maximal das Telefon auf Lautsprecherfunktion einstellen und beiseitelegen!)
- Warten Sie auf Fragen der Rettungsleitstelle, denn diese sind direkt mit dem eintreffenden Notfallteam in Verbindung. Zu den üblichen drei Fragen zählen die folgenden:
- Was ist geschehen?
- Wie viele Betroffene gibt es?
- Welche Verletzungen oder Erkrankungen haben diese erlitten?
Ferner sorgen diese Schritte dazu, dass die sogenannte Rettungskette gebildet werden kann. Seit 2005 führt man anstelle von fünf nunmehr vier Glieder an:
- Absicherung und Eigenschutz, Notruf und Sofortmaßnahmen
- Erste Hilfe leisten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte
- Rettungskräfte sind eingetroffen
- Betroffener wird nach Versorgung ins Krankenhaus gebracht
Was die örtliche Ausrüstung zur Ersten Hilfe umfassen muss
Damit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte erste Maßnahmen getroffen werden können, sind Ihrerseits gewisse Voraussetzungen zu erfüllen.
Ersthelfer
Ausgebildete Ersthelfer oder durch einen Erste-Hilfe-Kurs geschulte Mitarbeiter können lebensrettende Maßnahmen einleiten.
Notrufmeldeeinrichtung
Sie dürfen sich nicht darauf verlassen, dass jeder Mitarbeiter über ein Mobiltelefon verfügt und dies auch immer bei sich trägt. Schnurlos- oder Festnetztelefone müssen zur Verfügung stehen.
Verbandsmaterial
Ein Erste-Hilfe-Koffer, der mit allen notwendigen Hilfsmitteln bestückt ist, steht jederzeit zur Verfügung. Dieser wird regelmäßig auf Vollständigkeit und Verwendbarkeit überprüft.
Rettungsgeräte
Soweit notwendig, sind jederzeit Rettungsgeräte verfügbar. Beispielsweise Notduschen oder Augenduschen, wenn mit gefährlichen Substanzen gearbeitet wird. Schneidgeräte bei der Gefahr, dass ein Körperteil eingeklemmt werden könnte. Sprungtücher im Brandfall bei Hochhäusern und ähnliches.
Erste-Hilfe-Räume
Ein Erste-Hilfe-Raum oder eine vergleichbare Einrichtung ist unter anderem in Betrieben mit mehr als 1.000 Versicherten erforderlich. Dies gilt auch bei mehr als 100 Versicherten, wenn Art, Schwere und Zahl der Unfälle einen solchen Raum erfordern, sowie auf Baustellen mit mehr als 50 Versicherten.
Rettungs- und Fluchtpläne
Nicht nur für Unfälle, sondern auch für den Brandfall müssen die Mitarbeiter genauestens wissen, wo sich die Fluchtwege befinden. Zusätzlich zu den Plänen sind diese entsprechend durch Notausgangshinweise zu beschildern.
Erste Hilfe im Betrieb organisieren
Als Arbeitgeber müssen Sie die erforderlichen organisatorischen, personellen und sachlichen Voraussetzungen für die Erste Hilfe schaffen. Es müssen also leicht zugängliche Erste-Hilfe-Koffer vorhanden sein, von denen sämtliche Beschäftigte Kenntnis haben. Sie müssen darüber eingeschult werden, wo sich die wichtigen Zufahrtspunkte befinden und wie sie sich im Ernstfall zu verhalten haben.
Um sicherzustellen, dass im Ernstfall keine Panik unter den Mitarbeitern ausbricht, sollte im Anschluss an einen Grundkurs nach einer gewissen Zeit eine Wiederholung mitsamt Übungen durchgeführt werden.
Erste Hilfe nach geltendem Gesetz
Wesentliche Grundlagen für die betriebliche Erste Hilfe sind insbesondere § 10 ArbSchG und die DGUV Vorschrift 1. Der Arbeitgeber muss die erforderlichen Maßnahmen für die Erste Hilfe treffen und geeignete Beschäftigte benennen. Die DGUV Vorschrift 1 konkretisiert unter anderem die erforderliche Zahl sowie die Aus- und Fortbildung der Ersthelfer.
Die Ausbildung zum betrieblichen Ersthelfer umfasst neun Unterrichtseinheiten. Um Ersthelfer zu bleiben, ist grundsätzlich spätestens nach zwei Jahren eine Fortbildung mit ebenfalls neun Unterrichtseinheiten erforderlich.
Darüber hinaus gibt es Statistiken, die darauf hinweisen, dass sich das Betriebsklima und damit auch automatisch psychische Belastungen reduzieren, wenn von den Mitarbeitern aktiv wahrgenommen wird, dass ihr Wohl der Geschäftsführung am Herzen liegt.


