Infektionsschutz im Betrieb: Gefährdungsbeurteilung anpassen

Infektionsrisiken in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen

Infektionsschutz im Betrieb ist nicht erst seit der Corona-Pandemie ein Thema des Arbeitsschutzes. Je nach Tätigkeit, Arbeitsumgebung und Infektionsgeschehen kann es erforderlich sein, bestehende Gefährdungen neu zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen. Entscheidend ist dabei die konkrete Situation im Betrieb.

Die Gefährdungsbeurteilung hilft, relevante Infektionsrisiken systematisch zu erfassen: Wo entstehen enge Kontakte? Welche Tätigkeiten oder Arbeitsbereiche sind besonders betroffen? Können Beschäftigte biologischen Arbeitsstoffen ausgesetzt sein? Und mit welchen technischen, organisatorischen oder personenbezogenen Maßnahmen lässt sich das Risiko verringern?

Corona als historisches Beispiel: Während der COVID-19-Pandemie galten zeitweise besondere Vorgaben für den betrieblichen Infektionsschutz. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung ist seit dem 2. Februar 2023 außer Kraft. Viele damals genutzte Maßnahmen können dennoch bei erhöhtem Infektionsgeschehen sinnvoll sein. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales nennt seine heutigen Hinweise ausdrücklich als Empfehlungen zum Schutz vor COVID-19, Grippe und Erkältungskrankheiten.

Gefährdungsbeurteilung bei Infektionsrisiken aktualisieren

Ob und welche Anpassungen erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Arbeitsplatz ab. Ausgangspunkt sollte deshalb nicht eine feste Liste von Maßnahmen sein, sondern die konkrete Gefährdung. Relevant können beispielsweise Art und Häufigkeit von Kontakten, die räumlichen Bedingungen, gemeinsam genutzte Arbeitsmittel oder besondere berufliche Expositionen sein.

Bei der Überprüfung helfen insbesondere folgende Fragen:

  • In welchen Arbeitsbereichen und bei welchen Tätigkeiten besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko?
  • Wie und wie häufig kommen Beschäftigte miteinander, mit Kunden oder anderen Personen in Kontakt?
  • Welche technischen oder organisatorischen Maßnahmen können das Risiko reduzieren?
  • Müssen bestehende Hygiene-, Reinigungs- oder Lüftungsmaßnahmen angepasst werden?
  • Gibt es Beschäftigtengruppen oder Tätigkeiten, die besonders berücksichtigt werden müssen?
  • Wie wird geprüft, ob die festgelegten Maßnahmen tatsächlich wirksam sind?

Mögliche Maßnahmen im betrieblichen Infektionsschutz

Welche Maßnahmen geeignet sind, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Je nach Situation kommen beispielsweise folgende Ansätze infrage:

  • Beschäftigte über Infektionsrisiken und geeignete Hygienemaßnahmen informieren,
  • Arbeitsräume ausreichend lüften und Lüftungsanlagen sachgerecht betreiben,
  • Reinigung und Hygiene an die tatsächliche Nutzung von Räumen und Arbeitsmitteln anpassen,
  • bei erhöhtem Infektionsgeschehen unnötige betriebsbedingte Kontakte reduzieren,
  • Arbeitsabläufe oder Raumnutzung so organisieren, dass vermeidbare Expositionen verringert werden,
  • bei Bedarf besondere Schutzmaßnahmen für gefährdete Beschäftigte berücksichtigen.

Bei Tätigkeiten, bei denen Beschäftigte beruflich biologischen Arbeitsstoffen ausgesetzt sein können, gelten darüber hinaus die einschlägigen Anforderungen der Biostoffverordnung und der Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe. Die Gefährdungsbeurteilung muss daher immer zur jeweiligen Tätigkeit und zum tatsächlichen Expositionsrisiko passen.

Was aus der Corona-Pandemie bleibt

Die Corona-Pandemie hat den betrieblichen Infektionsschutz zeitweise stark geprägt. Ein Bund-Länder-Beschluss vom 15. April 2020 forderte Unternehmen unter anderem dazu auf, auf Grundlage einer angepassten Gefährdungsbeurteilung und betrieblichen Pandemieplanung ein Hygienekonzept umzusetzen. In den folgenden Jahren kamen weitere besondere Corona-Arbeitsschutzregelungen hinzu.

Diese speziellen Vorgaben sind heute nicht mehr gültig. Die damalige Vorgehensweise zeigt aber weiterhin einen sinnvollen Grundsatz der Gefährdungsbeurteilung: Verändert sich die Gefährdung am Arbeitsplatz, sollte geprüft werden, ob bestehende Schutzmaßnahmen noch ausreichen oder angepasst werden müssen.

Maßnahmen wie Lüften, angepasste Hygiene, die Verringerung vermeidbarer Kontakte oder der besondere Schutz gefährdeter Personen können deshalb auch außerhalb einer Pandemie sinnvoll sein. Sie sind jedoch nicht pauschal vorgeschrieben, sondern müssen zur jeweiligen betrieblichen Situation passen.

Aktuelle Orientierung: Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales stellt Empfehlungen zum betrieblichen Infektionsschutz vor COVID-19, Grippe und Erkältungskrankheiten bereit. Für die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen bietet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin weiterführende Informationen und Technische Regeln.

Wenn Sie die Gefährdungsbeurteilung systematisch aufbauen oder aktualisieren möchten, finden Sie auf den weiterführenden Seiten die Instrumente der Gefährdungsbeurteilung sowie weitere Hinweise zu Risikobeurteilung und Gefahrenverhütung.

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Zuletzt aktualisiert am 27. Oktober 2026




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