„LamaPoll Praxisbeispiele“ heißt unsere neue Rubrik, in der wir interessante Anwendungsfälle und relevante Umfrageprojekte unserer Kunden vorstellen. Im Fokus stehen sowohl große Marktforschungsprojekte und Bürgerbefragungen, die von besonderer gesellschaftlicher Relevanz sind, als auch klassische Use Cases wie Mitarbeiter- und Kundenbefragungen, die im Unternehmenskontext zur Anwendung kommen. Die erfolgreich umgesetzten Umfragen können beispielgebend als Anregung und Orientierung für andere Umfrageersteller dienen. Bei den mit LamaPoll durchgeführten Befragungen nehmen wir – je nach Thema, Zielsetzung und Anwendungsfall – die wesentlichsten Aspekte unter die Lupe.
Den Auftakt macht eine Befragung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zur Nutzung von Social-Media durch junge Menschen mit Beeinträchtigung und deren Angehörige. Die Online-Befragung wurde im Rahmen des Projekts „Neue Formen der Befragung und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern“ durchgeführt. Im Mittelpunkt standen hierbei nicht nur Fragen zu den Gewohnheiten bei der Social-Media-Nutzung, sondern vor allem auch Fragestellungen zu möglichen Hürden im digitalen Alltag, zu Problemen bei der Verwendung von Sozialen Medien und zu den Möglichkeiten, wie digitale Teilhabe verbessert werden kann.
Art und Ziel der BMAS-Umfrage
Bei der BMAS-Umfrage zum Thema „Social-Media-Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Beeinträchtigungen“ handelte es sich um eine bundesweite Online-Bürgerbefragung, die sich an alle direkt und indirekt betroffenen Personen richtete. Die offene (öffentlich zugängliche) Umfrage wurde anonym durchgeführt, es wurden also keine personenbezogenen Daten erhoben oder verarbeitet. Eine Zuordnung der Antworten zu einzelnen Teilnehmenden (oder Rückschlüsse auf die Identität der Teilnehmenden) wurde dadurch verhindert.
Im Fokus der Befragung standen das Nutzungsverhalten, die Plattformpräferenzen sowie mögliche Barrieren, die der Zielgruppe im Rahmen der Nutzung aufgefallen sind. Zunächst ging es also darum, Verhaltensweisen und Erfahrungen der Teilnehmenden zu generieren sowie Schwachstellen bei der Nutzung von Internetanwendungen und Social-Media-Kanälen aufzudecken. Übergeordnetes Ziel der Umfrage des Bundesministeriums war es, die Bedürfnisse und die Herausforderungen junger Nutzerinnen und Nutzer im digitalen Raum zu berücksichtigen und die Angebote der „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung“ (EUTB) auf Grundlage der Rückmeldungen zielgruppengerecht anpassen zu können. Eine weitere Zielsetzung war die Förderung der politischen Partizipation der adressierten Zielgruppe.
Warum sich eine Online-Umfrage in diesem Fall besonders eignet
Online-Umfragen bieten eine Reihe von Vorteilen im Vergleich zu Paper-Pencil-Befragungen und telefonischen oder Face-to-Face-Interviews. Dazu zählen z.B. die hohe Reichweite, die gute Rücklaufquote, die dynamischen Funktionen, die unkomplizierte (Live-)Auswertung und nicht zuletzt die Möglichkeit, die Anonymität der Teilnehmenden zu gewährleisten. Weitere Informationen zu den Vorteilen und Möglichkeiten von online umgesetzten Befragungen finden Sie hier: Vorteile von Online-Umfragen.
Vier gute Gründe, weshalb auch die Befragung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales online durchgeführt wurde:
- Für eine Befragung zur Social-Media-Nutzung liegt eine Online-Umfrage auf der Hand. Die Zielgruppe bewegt sich ohnehin im digitalen Raum, kann also auch im Internet auf Websites oder über die entsprechenden Kanäle (z.B. via Post inkl. Link zur Umfrage) erreicht werden. Der Zugang zur Befragung kann demnach dort stattfinden, wo die Menschen bereits unterwegs sind. Auf diese Weise wird die Beteiligung an der Umfrage vereinfacht, da die adressierten Teilnehmenden die Umfrage mit wenigen Klicks öffnen können, ohne dabei das gewohnte digitale Umfeld zu verlassen.
- Bei einer Umfrage mit diesem Thema werden sensible Bereiche thematisiert. Persönliche Erfahrungen, Hürden oder belastende Situationen im Netz sind Aspekte, die Teilnehmende nicht leichtfertig in einem Fragebogen teilen. Eine anonyme Online-Umfrage unterstützt hier ehrliche und offene Antworten, ohne dass sich Teilnehmende bewertet fühlen oder Bedenken haben müssen, dass Antworten auf sie zurückzuführen sind. Gerade bei sensiblen Themen ist das ein relevanter Faktor, der die Qualität der Rückmeldungen beeinflussen kann.
- Auch die geografische Verteilung spricht für eine Online-Lösung. Junge Menschen mit Beeinträchtigung leben in ganz Deutschland. Eine digitale Umfrage macht es möglich, auf einfachem Wege viele Menschen zeit- und ortsunabhängig zu erreichen.
- Ein weiterer Vorteil: Online-Fragebögen lassen sich barrierefrei gestalten. Dies ist insbesondere dann von großer Relevanz, wenn eine Zielgruppe mit Beeinträchtigungen angesprochen werden soll. Detaillierte Informationen zum Thema Barrierefreiheit in Online-Umfragen, finden Sie hier: Barrierefreie Umfrage erstellen.
Außerdem stellen wir in unserem Helpdesk eine ausführliche Liste mit Tipps zur Gestaltung barrierefreier Umfragen zur Verfügung: Helpdesk – Checkliste für barrierefreie Umfrage
Gestaltung und Verbreitung der BMAS-Umfrage
Bei einer Umfrage wie der des BMAS ergeben sich aus Thematik und Erreichbarkeit der Zielgruppe einige klare Anforderungen. Gerade bei Umfragen zu sensiblen Themen, in denen persönliche und emotionale Erfahrungen abgefragt werden, ist es notwendig, das Vertrauen der Teilnehmenden zu gewinnen. Bereits bei der Einladung zur Teilnahme und zu Beginn des Fragebogens sollten daher klare Angaben zum Thema Datenschutz, zum Zeitaufwand, zum Umfrageziel und zu Ansprechpartnern für Rückfragen gemacht werden. Außerdem ist es empfehlenswert, eine eigene Endseite in der Umfrage einzurichten, so dass Umfrageteilnehmer nach dem Beenden auf die Unternehmens- oder Projektseite weitergeleitet werden. Auf diese Weise sorgen Sie, zusätzlich zur Angabe eines Ansprechpartners, dafür, dass Ihre Umfrageteilnehmer wissen, welche Institution für die Umfrage verantwortlich ist.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den es bei der Durchführung von Umfragen zu beachten gilt, ist die Erreichbarkeit der Zielgruppe. Bei dem vorliegenden Praxisbeispiel spielt neben der klaren, vertrauensgewinnenden Kommunikation und barrierefreien Gestaltung des Fragebogens auch die Verbreitung der Umfrage eine wichtige Rolle. Optimalerweise sollten Befragungen dort angekündigt und veröffentlicht werden, wo die Zielgruppe direkt erreicht werden kann. Bei breit angelegten Bürgerbefragungen wie im vorliegenden Fall kann auch eine Ankündigung per Pressemitteilung und auf kooperierenden Websites hilfreich sein.
Im BMAS-Projekt wurde für die Ankündigung und Einladung zur Befragung ein Mix aus digitalen Kanälen genutzt: Die Umfrage wurde unter anderem über eine Meldung auf der BMAS-Website, über das Portal der Teilhabeberatung/EUTB sowie über verschiedene regionale und thematisch passende Partnerseiten angekündigt. Ergänzend dazu wurde der Link zur Umfrage über Social-Media geteilt.
Wie die Umfrage-Ergebnisse in der Praxis genutzt werden
Die Befragung des BMAS fand als Vorbereitung für eine bundesweite Kampagne zum Thema digitale Teilhabe statt. Die Ergebnisse sollen zum Beispiel dabei helfen, bestehende Teilhabeberatungsangebote, wie die der Teilhabeberatung EUTB, weiterzuentwickeln. Diese Beratungsstellen unterstützen Menschen mit Beeinträchtigung dabei, sich im System aus Leistungen, Rechten und Unterstützungsangeboten zurechtzufinden. Wenn klarer wird, wo junge Menschen im digitalen Raum auf Barrieren stoßen, können Beratungsstellen ihre Online-Angebote, Hinweise und Kontaktwege besser darauf abstimmen und Hürden auch schon im Zugang zur Beratung senken.
Damit ist die Umfrage ein wertvolles Instrument, um digitale Barrieren sichtbar zu machen, bevor neue Kampagnen, Webseiten oder Online-Materialien entstehen. Aus Sicht von Umfrageerstellenden zeigt dieses Projekt exemplarisch, wie Bürgerbefragungen genutzt werden können, um Angebote auf Basis von Daten und echten Erfahrungen zu verbessern.
Was Sie für Ihre eigenen Umfragen mitnehmen können
Was sich aus diesem Beispiel für die eigene Umfrageplanung mitnehmen lässt, ist vor allem, dass es sich lohnt, Zielgruppe, Thema und Methode gemeinsam zu betrachten, um einen wirksamen Fragebogen zu gestalten. Gut konzipierte Online-Umfragen können wichtige Einblicke liefern, oft auch, ohne dass große Studien oder umfangreiche Interviewreihen nötig sind. Gerade bei sensiblen Themen und inklusiven Zielgruppen können ein paar bewusste Entscheidungen viel dazu beitragen, wie offen und ehrlich geantwortet wird.
Was heißt das für die Praxis?
- Veröffentlichen Sie Ihre Umfrage dort, wo Ihre Zielgruppe unterwegs ist. Wenn diese überwiegend auf Social-Media aktiv ist, spricht das für eine Verteilung des Umfrage-Links in Social-Media-Kanälen.
- Anonyme Online-Umfragen sind ideal, wenn es um sensible Themen geht und persönliche Erfahrungen abgefragt werden sollen.
- Online-Befragungen eignen sich nicht nur zur Evaluation, sondern auch als Vorbereitung für Kampagnen und zur Verbesserung bestehender Angebote.
Sie möchten selbst eine Umfrage erstellen? Mit LamaPoll lassen sich Umfrageprojekte unkompliziert umsetzen – von der Fragebogen-Erstellung über die Einladung und Durchführung bis hin zur Auswertung. Probieren Sie es einfach aus!