Panelstudie – Was ist das?

Eine Panelstudie, auch Panelbefragung, ist eine spezielle Form der Längsschnittstudie, bei der eine festgelegte Personengruppe über einen längeren Zeitraum hinweg mehrfach befragt wird. Charakteristisch für eine Panelstudie ist also zum einen die gleichbleibende Stichprobe (das Panel), zum anderen das mehrstufige Befragen des Panels, um Veränderungen über die Zeit hinweg messbar und nachvollziehbar zu machen. Panelstudien ermöglichen sowohl Analysen auf Gruppen- als auch auf Individualebene.

Ein Unternehmen befragt dieselben Mitarbeitenden quartalsweise zur Arbeitszufriedenheit. Da die Antworten über die Erhebungswellen hinweg personenspezifisch zugeordnet werden können, lässt sich mithilfe einer solchen Panelstudie nicht nur nachvollziehen, wie sich der Durchschnittswert in der Belegschaft insgesamt verändert (Gruppen- bzw. Aggregatebene). Es lässt sich zudem messen, wie sich die Zufriedenheit einzelner Personen (Individualebene) z.B. nach einer eingeführten Maßnahme entwickelt.

Die Verknüpfung der Antworten über die Befragungswellen hinweg erfolgt dabei über eine pseudonyme Teilnehmer-ID oder mittels individueller Zugangsschlüssel, nicht über Namen oder andere direkt identifizierende Merkmale. Eine direkte Zuordenbarkeit der Antworten zu einzelnen Teilnehmenden besteht somit nicht. Ob die Anonymität darüber hinaus auch bei der Auswertung gewahrt bleibt, hängt zusätzlich davon ab, welche Daten abgefragt und wie Ergebnisse dargestellt werden. Werden Merkmalskombinationen mit kleiner Grundgesamtheit gesondert betrachtet, kann auch eine indirekte Identifizierbarkeit entstehen.

Maßgeblich für das Re-Identifikationsrisiko ist dabei nicht die Anzahl der Antwortenden (Mindestteilnehmerzahl), sondern die Größe der Gruppen, die ein bestimmtes Merkmal (oder eine Merkmalskombination) aufweisen. Eine sog. Anonymitätsgrenze bietet keinen verlässlichen Schutz. Relevant ist stattdessen eine Prüfung der jeweiligen Grundgesamtheiten pro Merkmalskombination.

Panelstudien und Trendstudien gehören zwar beide zu den mehrstufigen Befragungen (Längsschnittstudien), unterscheiden sich aber in einem zentralen Punkt: der Zuordenbarkeit der Antworten zu Personen über die Zeit. Während bei Panelstudien Analysen dadurch auch auf Individualebene möglich sind, können Analysen im Rahmen von Trendstudien nur auf Gruppen- bzw. Aggregatebene stattfinden.

  • Panelstudie: Dieselben Personen werden wiederholt befragt. Die Antworten lassen sich über die Befragungswellen hinweg personenspezifisch auswerten. Analysen sind somit sowohl auf Individual- als auch auf Aggregatebene möglich.
  • Trendstudie: Zu jedem Zeitpunkt wird eine neue, aber vergleichbare Stichprobe aus derselben Grundgesamtheit befragt (z. B. „alle Kunden des jeweiligen Quartals“). Es gibt keinen Personenbezug über die Wellen hinweg, Aussagen sind nur auf Aggregatebene möglich, nicht zu individuellen Verläufen.

Eine Panelbefragung wird wiederholt mit derselben Stichprobe durchgeführt, eine Trendstudie wird wiederholt mit verschiedenen Stichproben durchgeführt. Beide Designs messen somit Entwicklungen über die Zeit, unterscheiden sich aber darin, ob eine Zuordnung zu einzelnen Personen über die Erhebungswellen hinweg besteht oder nicht.

Im Rahmen von Panelstudien können sowohl Veränderungen auf Gruppenebene als auch individuelle Veränderungen gemessen werden. Um personenspezifische Veränderungen messen zu können, ist es notwendig, die Personen über die Befragungswellen hinweg zuordnen zu können. Für die Zuordnung von Antworten über mehrere Wellen hinweg wird üblicherweise eine Teilnehmer-ID o.ä. vergeben, über die sich Ergebnisse aus verschiedenen Erhebungen zusammenführen lassen. Das Umfrage-Tool LamaPoll bietet dafür z.B. individuelle Zugangsschlüssel, Zufallscodes und andere Identifikatoren, über die eine Analyse der Ergebnisse auch auf Individualebene möglich ist.

Die Verknüpfung der Ergebnisse über mehrere Wellen hinweg findet innerhalb des Tools zwar nicht statt. Der Abgleich kann aber stattdessen ganz einfach per Rohdaten-Export der einzelnen Befragungen und Zusammenführen der Daten in Programmen wie Excel, SPSS oder R umgesetzt werden.

Übrigens: Eine Zuordnung der Personen über die Befragungswellen hinweg ist sowohl bei anonymen als auch bei nicht-anonymen Befragungen möglich. Wie eine solche Panelbefragung umgesetzt werden kann, erfahren Sie in diesem ausführlichen Blog-Beitrag: Längsschnittstudie mit personenspezifischer Prä-/Post-Messung

Teilnehmende für eine Panelstudie können entweder aus einem bestehenden, unternehmenseigenen Kontaktpool stammen oder über einen externen Panelanbieter gewonnen werden. Beide Formen unterscheiden sich vor allem darin, wer die Teilnehmenden verwaltet und einlädt.

Unternehmenseigenes Panel
Ein fester, bekannter Personenkreis (z. B. Mitarbeitende oder Kunden eines Unternehmens) wird über einen längeren Zeitraum wiederholt zu denselben oder verwandten Themen befragt. Die Verwaltung und Einladung der Teilnehmenden erfolgt direkt durch das Unternehmen selbst.

Access-Panel (Panel eines externen Anbieters)
Ein Access-Panel ist ein von einem spezialisierten Panelanbieter verwalteter, vorregistrierter Teilnehmerpool mit in der Regel aktuellen und vollständigen Teilnehmerprofilen. Diese Form kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn eine bestimmte Zielgruppe über eigene Kontakte nicht in ausreichender Zahl erreichbar ist oder zusätzliche Teilnehmende für eine repräsentative Umfrage benötigt werden. Der Panelanbieter übernimmt dabei die Rekrutierung und Einladung passender Teilnehmender aus seinem Pool, während die eigentliche Befragung weiterhin über die eigene Umfrage-Plattform läuft.

Die technische Anbindung eines Access-Panels an eine LamaPoll-Umfrage ist unkompliziert umsetzbar. Eine ausführliche Anleitung findet sich in unserem Helpdesk: Panel anbinden

Die Panelstudie ermöglicht detaillierte Analysen, die mithilfe einer einmaligen Befragung (Querschnittstudie) oder Trendstudie nicht zugänglich sind: Veränderungen können nicht nur auf Aggregatebene, sondern auch für einzelne Personen oder Teilgruppen nachvollzogen werden. Dadurch lassen sich Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge – etwa die Wirkung einer eingeführten Maßnahme – deutlich präziser einschätzen, da bekannt ist, ob sich die Einstellungen oder Antworten derselben Personen im Zeitverlauf verändert haben oder ob sich lediglich die Zusammensetzung der Befragten verschoben hat. Zudem sind individuelle Verläufe (z. B. Drop-out-Muster oder wiederkehrende Auffälligkeiten bei bestimmten Personen) identifizierbar, die bei wechselnden Stichproben verborgen blieben.

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