LamaPoll-Spende wird für FHK-Projekt „Kinder im Frauenhaus“ verwendet

Mit unserer LamaPoll-Spende im Juni unterstützen wir Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) mit 1.000 Euro. Den Anstoß dafür gab unsere Mitarbeiterin Farah, die den Verein vorgeschlagen hat. Mit seiner Arbeit unterstützt FHK Frauenhäuser und Fachberatungsstellen in ganz Deutschland. Bereits seit der Gründung im Jahr 2001 bringt der Verein Einrichtungen miteinander in Kontakt, stärkt den fachlichen Austausch und arbeitet daran, Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder stetig zu erweitern.

Natürlich hat uns in diesem Rahmen interessiert, vor welchen aktuellen Herausforderungen der Dachverband steht, wie dieser konkret arbeitet und wie man die wertvolle Arbeit des Teams zusätzlich unterstützen kann. Beantwortet hat uns unsere Fragen freundlicherweise Juliane Fiegler, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei FHK. Das ganze Interview lesen Sie jetzt:

Welche Rolle nimmt Frauenhauskoordinierung e.V. im Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und Kinder ein?

Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) setzt sich dafür ein, Gewalt gegen Frauen zu verhindern und die Hilfen für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder zu verbessern. FHK koordiniert, vernetzt und unterstützt das Hilfesystem, fördert die fachliche Zusammenarbeit und bündelt Praxiserfahrungen, um sie in politische Entscheidungsprozesse sowie in fachpolitische Diskurse zu transportieren.

In den Wohlfahrtsverbänden und bei den Einzelmitgliedern sind über 280 Frauenhäuser und mehr als 285 Fachberatungsstellen organisiert. Zusammen vertritt FHK damit einen Großteil des bundesdeutschen Hilfe- und Unterstützungssystems.

Konkret unterstützt FHK Frauenhäuser und Fachberatungsstellen unter anderem durch die kompetente Beantwortung von Anfragen aus Politik, Forschung und Praxis, das Erstellen von Arbeitsmaterialien und das Angebot von Fortbildungen für Mitarbeitende im Hilfesystem, eine bundesweite Frauenhaus- und Beratungsstellensuche, die Veröffentlichung relevanter Informationen, die Bearbeitung zentraler Rechts- und Finanzierungsfragen sowie die Organisation von Fachveranstaltungen und bundesweite statistische Auswertungen zum Hilfesystem.

Wenn Sie auf die Entwicklung seit der Gründung im Jahr 2001 zurückblicken: Gab es seitdem Veränderungen, die die Situation von gewaltbetroffenen Frauen und Kindern verbessert hat? Wo besteht aus Ihrer Sicht weiterhin großer Handlungsbedarf?

Ein wichtiger Meilenstein war die Verabschiedung des Gewalthilfegesetzes: Der Bundestag hat das Gewalthilfegesetz am 31. Januar 2025 verabschiedet, am 14. Februar 2025 hat auch der Bundesrat zugestimmt. Dies ist ein zentrales Anliegen, für das FHK lange eingetreten ist.

Dennoch besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf: Frauenhäuser stoßen oft an ihre Grenzen: Die unklare Finanzierungssituation, fehlende Barrierefreiheit, sprachliche Hürden, zu wenig Platz für Frauen mit mehreren Kindern oder auch Schwierigkeiten mit Ämtern/Behörden im Alltag leider oft dafür, dass nicht alle betroffenen Frauen einen Platz im Frauenhaus finden können.

Was können Sie uns zum Projekt „Sicher aufwachsen“ sagen?

Die Website www.sicher-aufwachsen.org ist ein Fachkräfteportal von Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) und bietet Impulse, Praxisbeispiele und Methoden, um Fachkräfte zu unterstützen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die von Partnerschaftsgewalt mitbetroffen sind.

Das Portal ist entstanden im Rahmen des von IKEA Deutschland geförderten Projekts „Zuhause auf Zeit – Kinder und Jugendliche in Frauenhäusern. Entwicklung eines modularen Unterstützungsangebots“.

Bei der Erstellung der Materialsammlung konnte einerseits auf die Expertise der pädagogischen Mitarbeiter*innen im Frauengewaltschutz zurückgegriffen werden, andererseits auf eine Vielzahl an Materialien und Expertise aus dem Bereich Gewaltprävention sowie Kinder- und Jugendhilfe. Im Zentrum standen dabei folgende Fragen: Was bedeutet das Miterleben von Partnerschaftsgewalt für Kinder und Jugendliche? Was benötigen sie zur Verarbeitung des Erlebten? Und wie können Fachkräfte trotz begrenzter Ressourcen eine Pädagogik des sicheren Ortes gestalten – kindersensibel, traumainformiert und ressourcenorientiert?

Welche Herausforderungen ergeben sich für Frauenhäuser und Beratungsstellen im Umgang mit digitaler Gewalt?

Ohne Schutzmaßnahmen besteht das Risiko, dass Betroffene auch im Frauenhaus der digitalen Gewalt weiterhin ausgesetzt sind. Das gefährdet sowohl die Betroffene selbst, als auch den geheimen Standort des Frauenhauses und somit alle dort lebenden Bewohner*innen.

Für die Umsetzung von angemessenen Schutzmaßnahmen sind kontinuierliche Weiterbildungen der Frauenhaus-Mitarbeiter*innen, um über neueste technische Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben, sowie die Sensibilisierung für den Schutz vor digitaler Gewalt die unabdingbare Basis. FHK bietet daher Fortbildungen an und hat ein Modellvorhaben zur telefonischen Beratung durch IT-Expertinnen erprobt, bei dem Frauenhaus-Mitarbeiter*innen Unterstützung bei Fragen zu technischen Schutzmaßnahmen bei Fällen digitaler Gewalt erhalten haben.

FHK begrüßt zwar den aktuellen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt, sieht aber weiteren Nachbesserungsbedarf: Verfahren müssen schneller, einfacher und barriereärmer werden. Außerdem fordert FHK einen bundesweiten Strukturausbau und feste Stellenanteile in Frauenhäusern für den Umgang mit digitaler Gewalt.

Welche Auswirkungen haben die Kürzungen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ für Ihren Verein?

Ende März hat Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) erfahren, dass das Projekt „Unterschiedlich und doch stark: Intersektionalität im Frauenhaus begegnen“ ab 2027 nicht weiter gefördert und damit vorzeitig nach bereits zwei Jahren beendet wird. Damit ist FHK eines von über 200 Projekten, die ursprünglich über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wurden und nun von einem plötzlichen Finanzierungs-Ende mitten während der Projekt-Laufzeit betroffen sind.

Das Projekt ist dabei besonders wichtig: Ziel des FHK-Projekts ist, gemeinsam mit Frauenhaus-Mitarbeitenden praktische Lösungen und Abläufe zu entwickeln, um noch mehr Betroffene von häuslicher Gewalt unterstützen zu können.
Die Reaktionen aus der Praxis sind deutlich. Das Frauenhaus Potsdam schreibt dazu: „Gerade vor dem Hintergrund des Gewalthilfegesetzes ist diese Entscheidung schwer nachzuvollziehen: Der rechtliche Rahmen für besseren Schutz wird weiterentwickelt – aber der Ausbau der fachlichen Grundlage bleibt zurück.“

Damit das Projekt im Jahr 2027 wie geplant fortgesetzt werden kann, benötigt FHK insgesamt eine Summe von 240.000 Euro.

Wie können Interessierte Frauenhauskoordinierung e.V. am besten unterstützen?

Es gibt mehrere Wege, FHK zu unterstützen. Mit einer Spende sorgen Unterstützer*innen dafür, dass Hilfe bundesweit ankommt – durch bessere Vernetzung der Frauenhäuser, Fortbildungen für Fachkräfte und politische Arbeit für die Stärkung des Hilfesystems.
Geldspenden sind direkt über die Website oder per Überweisung möglich. Auf der Spendenplattform betterplace.org werden zudem für konkrete FHK-Projekte Mittel gesammelt.

Schließlich können Interessierte den Newsletter der FHK abonnieren, um regelmäßig über Neuigkeiten, Pressemeldungen und Fachthemen informiert zu werden, und die Arbeit von FHK in den sozialen Medien auf Facebook, Instagram und BlueSky verfolgen und teilen.

Wissen Sie schon, wofür Sie die LamaPoll-Spende einsetzen werden?

Die Spende von LamaPoll werden wir für unser Projekt „Kinder im Frauenhaus“ einsetzen. Konkret finanzieren wir damit Fortbildungen für Fachkräfte in Frauenhäusern, damit diese die Kinder, die gemeinsam mit ihren Müttern Schutz im Frauenhaus suchen, noch besser unterstützen können.

Kinder und Jugendliche, die Partnerschaftsgewalt miterleben, brauchen ein starkes Hilfesystem, das sie auffängt und ihre Bedürfnisse immer im Blick behält. Fachkräfte in Frauenhäusern leisten hier täglich wichtige Arbeit – doch dafür brauchen sie das richtige Rüstzeug. Mit den Fortbildungen stärken wir genau das: die Kompetenz der Menschen, die jeden Tag mit diesen Kindern arbeiten.

Wie können Fachkräfte trotz begrenzter Ressourcen eine Pädagogik des sicheren Ortes gestalten – kindersensibel, traumainformiert und ressourcenorientiert? Auf genau diese Fragen gehen wir in unseren Fortbildungen ein.
Wir freuen uns sehr über die Unterstützung von LamaPoll, die uns ermöglicht, diesen wichtigen Bereich unserer Arbeit weiter anzubieten.

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