Unsere Spende des Monats März, die unsere Accounting-Managerin Doreen vergeben durfte, ging an Contigo – Schule ohne Mobbing e.V. Der Berliner Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Thema Mobbing an Schulen nachhaltig zu begegnen und bindet neben den Schülerinnen und Schülern auch die Lehrkräfte und Eltern aktiv mit ein.
Mit praxisnahen Workshops, verschiedenen Vorträgen und einem eigenen Präventionsprogramm stärkt die Initiative soziale Kompetenzen sowie ein respektvolles und gewaltfreies Miteinander. Doch wie genau gestaltet sich dieser Ansatz in der Praxis? Um einen besseren Einblick in die Arbeit von Contigo zu bekommen, haben wir uns an Katrin Scheinpflug, selbst Lehrerin, Ausbilderin und Schulmediatorin, gewandt. Die ausführlichen Antworten auf unsere Fragen lest Ihr jetzt im Blogbeitrag:
Was hat sich seit der Gründung des Vereins im Umgang mit Mobbing verändert und welche neuen Entwicklungen stellen Sie heute vor besondere Herausforderungen?
Unser Verein ist gewachsen. Einige Trainer*innen sind dazu gekommen, andere sind aus dienstlicher Überlastung ausgeschieden.
Neben klassischem Cybermobbing hat sich vor allem die Dynamik verändert: Mobbing endet nicht mehr nach der Schule, sondern geht rund um die Uhr weiter. Inhalte verbreiten sich extrem schnell (Screenshots, Gruppenchats). Die Öffentlichkeit ist größer – Demütigung wirkt intensiver und nachhaltiger. Es besteht eine höhere Sensibilität einerseits für das Thema und andererseits mehr Unsicherheit. Mobbing wird stärker als ernsthaftes Problem wahrgenommen. Schulen haben häufiger Leitlinien oder Programme, gleichzeitig fühlen sich Lehrkräfte oft überfordert.
Können Sie kurz erläutern, wie das Programm „Contigo-20“ aufgebaut ist und welche zentralen Schritte besonders entscheidend sind?
Das Programm umfasst alle, die der Schule angehören. Lehrer*innen, Schüler*innen, Eltern und Hausmeister. Jede Gruppe hat ihr eigenes Fortbildungsprogramm:
- Pädagog*innen 6×3 Stunden – Intervention
- Schüler*innen 2×3 Stunden – Beobachtung und defensive Unterstützung mit dem Ziel, Vorkommnisse verdeckt an die Pädagoginnen zu melden.
- Eltern als anonyme Hilfsorganisation, an die ich mich wenden kann mit dem Ziel, dass
ich dort aufgefangen werde und meine Sorgen an die Pädagog*innen geleitet werden. - Hausmeister und Küchenpersonal als wichtige Beobachter und Meldehilfen.
Inwiefern beeinflusst die Einbindung der Eltern den Verlauf und die Nachhaltigkeit von Präventions- und Interventionsmaßnahmen?
Die Elterngruppen sind stabile Eckpunkte bei der Intervention. Auf der Eltern-zu-Eltern-Ebene trauen sich betroffene Eltern, sich mitzuteilen. Sie können die Intervention delegieren, denn die Contigo-Eltern leiten eine Intervention ein, indem sie die geschulten Pädagog*innen informieren.
Welche konkreten Veränderungen zeigen sich an Schulen, die das Contigo-20- Programm durchlaufen haben? Wie nachhaltig wirkt das Programm und gibt es dazu Rückmeldungen oder begleitende Untersuchungen?
Wir haben an der Freien Universität und der PH Berlin unser Programm vorgestellt und nach wissenschaftlicher Begleitung gefragt. Leider vergeblich. Wir erhalten lediglich die Rückmeldungen, die wir selbst mit Fragebögen evaluieren. Häufig wird das Programm nach drei Jahren in reduzierter Form noch einmal gebucht, wobei die Schulung der Eltern stets ausdrücklich verlangt wird.
Wissen Sie schon, wofür Sie die LamaPoll-Spende einsetzen werden?
Die Mittel werden für die Weiterentwicklung der Webseite und für die Gestaltung eines Handlungsleitfadens in Form einer Broschüre verwendet.
Headerbild: © Zeune Blindenschule Berlin, Contigo – Schule ohne Mobbing