Feedback vom Kinderschutz-Zentrum Berlin: LamaPoll-Spende für die Kindersommerreise

Auf Wunsch unserer IT-Auszubildenden Lida unterstützten wir im Juli das Kinderschutz-Zentrum Berlin e.V. mit unserer Spende des Monats in Höhe von 1.000 Euro. Ob bei familiären Krisen, Trennung, Gewalt oder Überforderung: Der gemeinnützige Verein unterstützt neben Kindern und Jugendlichen auch Familien mit vielfältigen Begleit- und Hilfsleistungen und steht ebenfalls Fachkräften mit diversen Angeboten und Supervision zur Seite.

Um mehr über das Thema Kinderschutz und die tägliche Arbeit des Vereins zu erfahren, haben wir uns an Frau Bellini und Frau Dobbert gewandt. Die Mitarbeiterinnen der Kinderwohngruppe des Kinderschutz-Zentrums haben sich freundlicherweise die Zeit genommen, unsere Fragen zu beantworten. Durch ihre positive Reaktion auf unsere Spende haben wir auch erfahren, wofür das Geld eingesetzt wird: „Wir freuen uns sehr, dass die Arbeit, die wir hier leisten, gesehen und geschätzt wird. Dank Ihrer Spende konnte der noch fehlende finanzielle Anteil für die Kindersommerreise in diesem Jahr ausgeglichen werden und ermöglicht nun, für viele Kinder ein besonderes Erlebnis, das ihnen ein Stück Normalität und Gemeinschaft schenkt – dafür bedanken wir uns herzlich!“.

Das Kinderschutz-Zentrum Berlin besteht bereits seit 1975. Welche Formen von Belastungen bei Kindern und Familien nehmen Sie heute häufiger wahr als früher?

In unserer Wohngruppe leben Kinder, die aus schwierigen Familiensituationen kommen, wo sie oft extrem belastende Erfahrungen gemacht haben. Die Belastungen, mit denen sie zu uns kommen, sind – heute wie früher – häufig sehr vielschichtig und individuell: familiäre Konflikte, psychische Belastungen, finanzielle Sorgen oder fehlende stabile Bezugspersonen und Gewalt in unterschiedlichsten Formen; oft greifen sie ineinander.

Die Kinder gehen ganz unterschiedlich damit um. Manche finden schneller Halt, sind resilienter. Einige haben einen erweiterten Familienkreis, den man aktivieren kann, andere benötigen über längere Zeit verlässliche Begleitung, um wieder Vertrauen und Sicherheit entwickeln zu können.

Die allermeisten müssen sich ein Leben lang mit den Konsequenzen ihrer Erfahrungen auseinandersetzen. Somit lässt sich die Frage, ob Gewalt im Laufe der Zeit zugenommen hat oder eher weniger geworden ist, nicht so einfach beantworten. Vielleicht kann man sagen, dass die enorme Komplexität der familiären Problematik und deren Tragweite hinter der individuellen Lebenssituation eines jeden Kindes zunehmend deutlicher geworden ist.

Gibt es Entwicklungen in der Gesellschaft, die den Kinderschutz erleichtern und welche, die ihn erschweren?

Leider findet das Thema Kinderschutz gesellschaftlich häufig erst dann mehr Aufmerksamkeit, wenn kinderschutzrelevante Ereignisse im Leben eines Kindes oder Jugendlichen einen gewissen Nachrichtenwert bekommen, Hilfen also irgendwo mit dramatischen Folgen gescheitert oder ganz ausgeblieben sind. Über solche Fälle wird dann kurze Zeit mit großer Empörung berichtet, ehe sie wieder – und das muss man leider festhalten – gesamtgesellschaftlich verdrängt werden.

Gleichzeitig müssen wir im Alltag mit den Auswirkungen deutlich knapper werdender Ressourcen und der “Sparpolitik” in der Kinder- und Jugendhilfe umgehen. Ich denke, das verschärft die Problemsituationen ungemein: Hilfen setzen oft später ein oder können nicht im notwendigen Umfang angeboten werden.

Gerade für Kinder in Krisensituationen ist jedoch Verlässlichkeit entscheidend – sie brauchen Zeit, sowie stabile Beziehungen und die Möglichkeit, sich in ihrem eigenen Tempo mit der Krise auseinanderzusetzen und zu entwickeln. Kinderschutz kann nicht auf Grundlage von Kostendruck erfolgreich sein. Prozesse der Veränderung brauchen ebenso Zeit. Auch Eltern brauchen sie, um ihre Situation und fremde Unterstützung anzunehmen, um ins Handeln zu kommen. Und es braucht leider auch Raum für Fehlschläge. Das alles kann nicht nach starren Vorgaben funktionieren.

Wo sehen Sie die größten Lücken im Hilfesystem für Kinder und Familien?

Eine besondere Belastung stellen zudem langwierige Entscheidungsprozesse dar. Wenn sich Perspektiven über Monate, teilweise Jahre hinweg nicht klären (weil familiengerichtliche Verfahren anhängig sind, Gutachten erstellt werden müssen, um Entscheidungen zusätzlich zur fachlichen Einschätzung der Kriseneinrichtung rechtlich abzusichern etc.), bedeutet das für die Kinder, in einem für sie nicht überschaubaren Zeitraum in Unsicherheit zu leben und dennoch ihren Alltag bewältigen zu müssen.

Schule, Hausaufgaben, Freundschaften und persönliche Entwicklung finden dann unter schwierigen Bedingungen statt. Das ist eine enorme Anpassungsleistung, die den Kindern abverlangt wird. Die drängende Frage “Wo werde ich leben?”, der Wunsch nach Sicherheit in Form einer Perspektive, den andere Kinder gar nicht kennen, das sind Dinge, da wünschen wir uns oft schnellere Hilfen, auch auf struktureller Ebene.

Können sich Kinder und Jugendliche ohne die Zustimmung der Eltern an das Kinderschutz-Zentrum wenden?

Kinder und Jugendliche können sich immer an uns wenden, mit oder ohne Zustimmung der Eltern. Da dieses Recht so wichtig für die Kinder ist, ist es glücklicherweise gesetzlich im §8 Abs. 3 SGB VIII verankert.

Wie können Interessierte Ihren Verein außerdem unterstützen? Benötigen Sie konkrete Sachspenden oder ehrenamtliche Helferinnen und Helfer?

Unterstützung von außen macht in diesem Kontext einen spürbaren Unterschied. Spenden ermöglichen es uns, dort anzusetzen, wo öffentliche Mittel an Grenzen stoßen: bei individueller Förderung, besonderen Freizeitangeboten oder einfach Momenten, in denen Kinder unbeschwert Kind sein dürfen. Gerade diese nicht selbstverständlichen Erfahrungen tragen wesentlich dazu bei, Selbstvertrauen aufzubauen und positive Erinnerungen zu schaffen.

Auch ehrenamtliches Engagement kann eine wertvolle Ergänzung sein – insofern freuen wir uns natürlich über Unterstützung. Zwar lässt sich nicht jede gutgemeinte Idee mit der Lebenssituation in der Krise verbinden, aber oft entstehen in Abstimmung mit den Fachkräften der Wohngruppe tolle Projekte oder Aktionen, von denen die Kinder profitieren.

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