Im Rahmen unserer monatlichen Spendenaktion haben wir interessantes Feedback von BORA e.V. bekommen. Der Berliner Verein, der sich bereits seit der Gründung im Jahr 1992 für den Schutz gewaltbetroffener Frauen und Kinder einsetzt, bietet verschiedene Beratungsangebote, Schutzräume (wie das Frauenhaus BORA) und Unterstützung auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben an. Darüber hinaus engagieren sich die Mitarbeitenden von BORA e.V. in der Präventionsarbeit, begleiten Frauen bei der Suche nach einer neuen Wohnung, beim Austausch mit Ämtern oder leisten Hilfe bei Erziehungsfragen.
Um einen Eindruck von den vielfältigen Herausforderungen und der täglichen Arbeit des Vereins zu bekommen, hat sich die Geschäftsführerin Claudia Cohn freundlicherweise bereit erklärt, unsere Fragen im nachfolgenden Interview zu beantworten. Dem Feedback konnten wir übrigens auch entnehmen, dass die LamaPoll-Spende als Unterstützung für die diesjährige Kinder-Weihnachtsfeier „mit Lichterzauber und kleinen, individuellen Geschenken“ verwendet wird. Das freut uns sehr! Wir wünschen allen Kindern, Jugendlichen und dem engagierten BORA-Team eine unbeschwerte Feier.
Das Frauenhaus BORA gibt es bereits seit 1990. Seitdem hat sich der Wirkungsbereich des Vereins stark erweitert. Wo sehen Sie die größten Hürden in Ihrer täglichen Arbeit?
Häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt und Kindesmisshandlung waren in der DDR weit verbreitet, zugleich offiziell inexistent. Es gab keine Schutzmöglichkeiten, keine Zufluchtsorte, kein Hilfesystem, keine therapeutischen Angebote und kein Bewusstsein für die spezifischen Dynamiken häuslicher Gewalt.
Das Frauenhaus BORA wurde in der Wendezeit 1990 von unseren couragierten Gründerinnen eröffnet: als eine der ersten Schutzeinrichtungen für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder auf dem Territorium der ehemaligen DDR. In den Anfangsjahren basierten die alltäglichen Schwierigkeiten und Hürden vor allem auf der thematischen Unerfahrenheit wichtiger Institutionen wie z. B. Jugendämtern, Familiengerichten, der Polizei.
Damals verschwanden viele ambivalente Frauenhausbewohnerinnen mit ihren Kindern. Es kam zum Kontaktabbruch. Wir konnten es nicht verantworten, die Kinder alleinzulassen, wenn ihre Mütter entschieden, zum Gewalttäter zurückzukehren. So erweiterten wir unsere Angebote über die Jahrzehnte den Bedarfen unserer Zielgruppe(n) entsprechend.
Auch möchten wir Frauen erreichen, die sich noch nicht getrennt haben, die sich mit dem Gedanken tragen, wegzugehen. Zudem bedürfen viele Frauen und Kinder noch eine Zeitlang nach ihrem Frauenhausaufenthalt intensiver Beratung, Begleitung und Unterstützung. In Krisenzeiten und Umbruchsituationen nimmt Gewalt gegen Frauen und Kinder zu. Das spüren wir seit Langem.
Was wir in unserer Arbeit auch deutlich wahrnehmen: die sukzessive Verrohung und Verelendung unserer Gesellschaft. Wer gewaltbetroffene Frauen und Kinder wirkungsvoll unterstützen möchte, ist angewiesen auf eine intakte soziale Infrastruktur und ein robustes Gemeinwesen – vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnraum, aber auch Kultur.
Doch die Schere zwischen arm und reich öffnet sich täglich. Der Mittelstand schwindet. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung ist von Armut und Ausgrenzung bedroht oder betroffen. Menschen, die von ihrem Erwerbseinkommen leben müssen, können sich, vor allem in Berlin, ihre Mieten kaum mehr leisten.
Unsere größten Probleme heutzutage heißen Ungerechtigkeit und Mangel. Denn Ungleichheit, Existenzangst, Verteilungskampf und beengte, unsichere Wohnverhältnisse begünstigen Gewalt im sozialen Nahraum. Zudem erschwert eine komplexe Verknüpfung von Umständen es gewaltbetroffenen Frauen zunehmend, sich zu trennen.
Die Hoffnung, sich und ihren Kindern ein eigenständiges Leben in Würde aufbauen zu können, neuen angemessenen Wohnraum zu finden, Schulplätze für die Kinder, erweist sich für immer mehr Betroffene als Illusion. Mit fatalen Folgen. Die Anzahl der Mädchen- und Frauenmorde hat sich innerhalb nur eines Jahres verdoppelt.
2023 wurden 360 Femizide in Deutschland verübt. 2024 wurde bei Sexualstraftaten ein Anstieg um 9,3 % verzeichnet, so hoch wie nie zuvor. Die marode soziale Infrastruktur in Berlin verlängert die Verweildauer in den Frauenhäusern und Zufluchtswohnungen und leistet so der Verknappung von Schutzplätzen Vorschub.
Doch wenngleich das Schutz- und Unterstützungssystem weiter ausgebaut werden müsste, sind die Berliner Frauenprojekte neben anderen systemrelevanten Einrichtungen im Jahr 2026 von existenziell bedrohlichen Sparmaßnahmen betroffen. So ist unsere Arbeit 35 Jahre nach der Wende so wenig selbstverständlich wie am Anfang.
Wie können sich Frauen und Kinder, die einer Gewaltsituation ausgeliefert sind, mit BORA in Verbindung setzen und Hilfe suchen?
In einer akuten Gewaltsituation sollten Frauen oder ggf. auch ihre Kinder bzw. Unterstützer:innen grundsätzlich die polizeiliche Notrufzentrale (110) alarmieren.
Frauen in Berlin, die einen Schutzplatz für sich und ihre Kinder suchen, können sich 24/7 an die BIG-Hotline unter der Telefonnummer 030-611 03 00 wenden. Im Falle anderweitigen Unterstützungsbedarfs sind unsere Kontaktdaten auf unserer Homepage hinterlegt.
Was können Sie uns über das Präventionsprogramm PiKiTa erzählen?
Unser Präventionsprogramm PiKiTa ruht leider seit der Corona-Pandemie aufgrund mangelnder finanzieller sowie personeller Ressourcen.
Wissen Sie schon, wofür Sie die LamaPoll-Spende einsetzen werden?
Wir freuen uns enorm über die großzügige Spende. Wir werden mit diesem Geld unsere jährliche Kinder-Weihnachtsfeier ausrichten, mit Lichterzauber und kleinen, individuellen Geschenken. Solche Momente der Unbeschwertheit wirken essenziell gewaltpräventiv.
Dafür danken wir Ihnen im Namen der Kinder und Jugendlichen, die im Frauenhaus BORA leben, von Herzen!
BORA e.V. wird gefördert von der:
