{"id":859,"date":"2017-07-05T06:04:36","date_gmt":"2017-07-05T05:04:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/?p=859"},"modified":"2018-11-12T10:43:58","modified_gmt":"2018-11-12T08:43:58","slug":"eu-dsgvo-und-open-data-es-braucht-einen-workflow-in-der-verwaltung-der-die-zugaenglichmachung-von-daten-und-informationen-klar-regelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/eu-dsgvo-und-open-data-es-braucht-einen-workflow-in-der-verwaltung-der-die-zugaenglichmachung-von-daten-und-informationen-klar-regelt\/","title":{"rendered":"EU-DSGVO und Open Data: Es braucht einen Workflow in der Verwaltung, der die Zug\u00e4nglichmachung von Daten und Informationen klar regelt!"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Open Data und EU-DSGVO? Klingt erst einmal nach einem Widerspruch. F\u00fcr Damian Paderta, selbstst\u00e4ndiger Digitalberater, Blogger, Open-Data-Enthusiast und Inhaber von <a href=\"http:\/\/nozilla.de\/\">Nozilla<\/a> aus Bonn, schlie\u00dft sich beides nicht unbedingt aus. Warum rechtliches und technisches Knowhow vor allem f\u00fcr Verwaltungen eine Rolle spielen, erl\u00e4utert Paderta unter anderem im Interview.<\/strong><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>LamaPoll: <strong>Sie bezeichnen sich selbst als Webgeograph. \u201eVermessen\u201c Sie das Web oder wie sieht Ihr Arbeitstag aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Damian Paderta:<\/strong> Es gibt bisher keine passende Berufsbezeichnung f\u00fcr mich. Also habe ich eine erfunden. In meinem Alltag spiegelt sich die komplette Palette eines Digitalberaters wieder: ich entwickle Projekte im Bereich Digitalisierung und Offenheit, baue und designe digitale Produkte, berate Organisationen und vernetze Akteure. Ich bin Diplom-Geograph und besch\u00e4ftige mich mit einer Bandbreite an Themen im Zusammenhang mit dem Web. Die Erde ist nahezu vollst\u00e4ndig erkundet. Das Web schafft eine neue Sicht \u00fcber das bisher r\u00e4umlich Bekannte.<\/p>\n<p>Es ist nicht unsichtbar, sondern \u00fcbt eine starke gestalterische Kraft auf den Raum und die Menschen aus. Und das wird weiter zunehmen. Ich helfe, diese Zusammenh\u00e4nge festzustellen, die eigene Position in dem Bereich zu verorten und <a href=\"https:\/\/paderta.com\/\"><strong>Handlungsr\u00e4ume, technisch wie sozial aufzuzeigen<\/strong><\/a>. Da gibt es also durchaus viele Analogien zu klassischen Geographen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>LamaPoll: <strong>Wer Ihren Namen bei Google eingibt, st\u00f6\u00dft auf W\u00f6rter wie Open Data, Open Government und Open Knowledge. Was verstehen Sie darunter?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Damian Paderta: <\/strong>Den gegenw\u00e4rtig fehlenden gesellschaftlichen Utopien und dem scheinbaren Verschwinden gro\u00dfer Ideologien m\u00f6chte ich Praktiken entgegensetzen, die unser gesellschaftliches Handeln im Sinne einer offenen, demokratischen Gesellschaft f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Ein Staat, der sich f\u00fcr echte Teilhabe gegen\u00fcber den B\u00fcrgerinnen \u00f6ffnet und in seinem Handeln nachvollziehbar wird, ist nicht nur innovativer und robuster gegen\u00fcber Krisen, sondern schafft auch den n\u00f6tigen Kitt innerhalb der Gesellschaft. Das ist zwar kein Allheilmittel, aber gegenw\u00e4rtig sehe ich keine Alternative zu einem \u201eMehr an Offenheit\u201c.<\/p>\n<p>Die Verwaltung produziert Daten, die ich als Substrat neuer digitaler Dienstleistungen von wirtschaftlichen, aber auch zivilgesellschaftlichen Akteuren betrachte. Open Data steckt voller Versprechungen. Wenn man sich allein auf das technische Endprodukt \u201eOpen Data\u201c konzentriert, ger\u00e4t der eigentliche wichtigere Aspekt in Vergessenheit: Offenheit beschreibt vielmehr den Prozess als den Zustand. Genau diesen gilt es, zu entwickeln. Das bedeutet, dass ich nicht zufrieden bin, wenn Verwaltungen Open Data bereitstellen, weil ein Gesetz dazu erlassen wurde. Erst wenn die Verwaltungen selbst einen Wert darin sehen und es aus intrinsischen Motiven tun, sind sie tats\u00e4chlich einen Schritt weiter.<\/p>\n<p>Mit Open Knowledge verbinde ich den Versuch, die gro\u00dfen Versprechen des Webs in den 90er einzul\u00f6sen. Die hie\u00dfen: freier Zugang auf das gesamte Wissen der Welt f\u00fcr jeden und \u00fcberall. Zugegeben sehr idealistisch. Wenn ich mir das Netz heute aus politischer Perspektive betrachte, sehe ich mehr Negatives als Positives. Das Netz ist in der Tat \u201ekaputt\u201c.<\/p>\n<p>Das kann ich so nicht hinnehmen. Nicht nur, dass der Staat seit Jahren zul\u00e4sst, dass Unternehmen B\u00fcrgerrechte im gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Ausma\u00df missachten, er ist auch selbst Treiber dieser inakzeptablen Praxis. Technik ist nicht neutral und deshalb will ich sie f\u00fcr die Zwecke einsetzen, die ich gesamtgesellschaftlich f\u00fcr richtig halte. Offenheit ist an dieser Stelle eine Haltung.<\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p>Die Verwaltung funktioniert nicht nach Augenma\u00df \u2013 dementsprechend wird sich ein fl\u00e4chendeckendes Open-Data-Vorhaben nicht realisieren, wenn man es allein risikobereiten und fachlich kompetenten Open-Data-Enthusiasten \u00fcberl\u00e4sst.<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p>LamaPoll: <strong>Bei LamaPoll hat der Datenschutz, insbesondere der Schutz personenbezogener Daten, immer oberste Priorit\u00e4t. Wie k\u00f6nnen Kommunen, die sich in Open Data-Projekten engagieren, daf\u00fcr sorgen, dass der Datenschutz gewahrt bleibt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Damian Paderta: <\/strong>Um engagierten Verantwortlichen im \u00f6ffentlichen Sektor die Offenlegung von Daten zu erleichtern, braucht es eine rechtliche Absicherung ihres Handelns. Sie m\u00fcssen wissen, was sie ohne zu Z\u00f6gern ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnen, was sie einer Abw\u00e4gung unterziehen und was sie vielleicht an eine andere Stelle zur \u00dcberpr\u00fcfung weiterleiten. Da braucht es rechtliches und technisches Knowhow. Die Verwaltung funktioniert nicht nach Augenma\u00df \u2013 dementsprechend wird sich ein fl\u00e4chendeckendes Open-Data-Vorhaben nicht realisieren, wenn man es allein risikobereiten und fachlich kompetenten Open-Data-Enthusiasten \u00fcberl\u00e4sst. Es braucht einen Workflow in der Verwaltung, der die Zug\u00e4nglichmachung von Daten und Informationen klar regelt und angstbefreit ablaufen l\u00e4sst. Zudem w\u00fcrde ich aus organisationspsychologischer Sicht Anreize zur Offenheit setzen. Das kann auf vielen Wegen geschehen, wenn der Wille da ist.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Warum schlie\u00dfen sich f\u00fcr Sie \u201eDatenschutz und Open Data\u201c grunds\u00e4tzlich nicht aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Damian Paderta: <\/strong>Offene Daten k\u00f6nnen dazu beitragen, Licht in dunkle Machenschaften zu bringen \u2013 genauso wie sie auch im Zusammenhang mit anderen sensiblen Daten Datenschutzverletzungen\u00a0 erm\u00f6glichen k\u00f6nnen. Das ist eine kaum zu regulierende Ambivalenz. Es ist schlicht nicht m\u00f6glich, vorauszusehen, wof\u00fcr diese oder jene Daten verwendet werden k\u00f6nnen. Angesichts der jetzigen Open-Data-Landschaft in Deutschland aber eher eine Scheindiskussion. Zun\u00e4chst einmal geht es um das Gros der Daten, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Personenbezogene_Daten\"><strong>per Definition nicht personenbezogen<\/strong><\/a> sind und maximal unkritisch. Wir fangen quasi an dem unkritischen Ende des Kontinuums an, Daten zu \u00f6ffnen. Wenn wir dann auf m\u00f6gliche Probleme sto\u00dfen, m\u00fcssen diese diskutiert werden \u2013 wie viel Datenschutz und wie viel Offenheit m\u00f6chten wir?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-880 size-medium\" src=\"https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Karte_Wahlkreise_Neu-220x300.jpg\" alt=\"Open Data\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Karte_Wahlkreise_Neu-220x300.jpg 220w, https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Karte_Wahlkreise_Neu-768x1045.jpg 768w, https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Karte_Wahlkreise_Neu-752x1024.jpg 752w, https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Karte_Wahlkreise_Neu-600x817.jpg 600w, https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Karte_Wahlkreise_Neu.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/p>\n<p>Eine andere Frage: Wen m\u00f6chten wir eigentlich sch\u00fctzen? Das Individuum, Gesch\u00e4ftsmodelle oder Politik in der Grauzone? Ich m\u00f6chte eine noch radikalere Frage stellen: Warum sollten nicht alle Einkommens- und Besitzverh\u00e4ltnisse aller B\u00fcrgerinnen in Deutschland offen gelegt werden? Ein Verzeichnis aller Verm\u00f6genden und weniger Verm\u00f6genden. K\u00f6nnten wir auf der Grundlage nicht viel besser die steigende Ungleichheit in Deutschland diskutieren?<\/p>\n<hr \/>\n<p>LamaPoll: <strong>Unternehmen haben nur noch rund ein Jahr Zeit, sich auf die Neuerungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung vorzubereiten. Wie beeinflusst die EU-DSGVO Open Data-Projekte und was bedeutet das f\u00fcr Kommunen und Beh\u00f6rden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Damian Paderta: <\/strong>Ich bin kein Jurist und m\u00f6chte mich da nicht allzu weit mit einer Prognose aus dem Fenster lehnen. Aus meiner Sicht spielen die Empfehlungen keine weichenstellende Rolle in diesem Zusammenhang. Das Klagen der Wirtschaft und vor allem von Start-ups \u00fcber die erschwerten Bedingungen bei der Verarbeitung von (Kunden)-Daten kann ich nicht verstehen.<\/p>\n<p>Wenn das Gesch\u00e4ftsmodell auf der Verletzung von fundamentalem Datenschutz beruht, dann hat es aus meiner Sicht keine Existenzberechtigung. Ich sehe die Bestrebungen nach h\u00f6heren Datenschutzstandards als Riesenchance f\u00fcr junge Unternehmen aus Deutschland. Ich denke, es wird noch einige Jahre dauern, bis wir erkennen, dass wir mit der schon fast \u00fcberkritischen Haltung zu digitalen Neuerungen eigentlich ein Feature besitzen, was den Unterschied macht. Wenn z.B. Lama Poll <a href=\"https:\/\/www.lamapoll.de\/Datenschutz-Sicherheit\"><strong>Dienste nach deutschen Datenschutzstandards<\/strong><\/a> anbietet, dann ist das ein Mehrwert den US-amerikanische Dienste vorerst nicht anbieten k\u00f6nnen oder wollen. Wer diesen Weg geht wird nicht automatisch erfolgreicher \u2013 setzt sich aber automatisch positiv von g\u00e4ngigen US-Diensten ab. Darum geht es letztendlich. Ich w\u00fcnschte, es g\u00e4be mehr solcher Alternativen auf dem Markt. <a href=\"https:\/\/www.enisa.europa.eu\/publications\/privacy-and-data-protection-by-design\"><strong>Privacy by design<\/strong><\/a> hei\u00dft das Zauberwort.<\/p>\n<p>Eine klarere Gesetzgebung in Sachen Datenschutz ist leicht zu fordern, aber unerl\u00e4sslich, will man diejenigen, die verantwortungsvoll mit personenbezogenen Daten umgehen, gegen\u00fcber der Mehrheit der gro\u00dfen Unternehmen nicht benachteiligen. In gewisser Weise operieren die Meisten, die mit Daten arbeiten, ab einem gewissen Punkt in einer rechtlich unsicheren Zone. Es liegt auf der Hand, dass es diese Unsicherheit f\u00fcr Kommunen und Beh\u00f6rden nicht einfacher macht, Open Data umzusetzen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>LamaPoll: <strong>Informationen und Daten bestimmen Ihren Alltag. Auf welche drei datensicheren Tools k\u00f6nnen und wollen Sie nicht verzichten?<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<strong>Damian Paderta:<\/strong> Ich w\u00fcsste nicht, wie ich ohne KeePass, OpenPGP und ZenMate auskommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Antworten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Open Data und EU-DSGVO? Klingt erst einmal nach einem Widerspruch. F\u00fcr Damian Paderta, selbstst\u00e4ndiger Digitalberater, Blogger, Open-Data-Enthusiast und Inhaber von Nozilla aus Bonn, schlie\u00dft sich beides nicht unbedingt aus. 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