{"id":25288,"date":"2025-11-11T14:43:44","date_gmt":"2025-11-11T12:43:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/?p=25288"},"modified":"2025-11-11T14:43:50","modified_gmt":"2025-11-11T12:43:50","slug":"spende-des-monats-freiheitsfonds-gibt-einblick-in-seine-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lamapoll.de\/blog\/spende-des-monats-freiheitsfonds-gibt-einblick-in-seine-arbeit\/","title":{"rendered":"Spende des Monats: Der Freiheitsfonds gibt Einblick in seine Arbeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Im November konnte sich der <a href=\"https:\/\/freiheitsfonds.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Freiheitsfonds<\/a> \u00fcber unsere <a href=\"https:\/\/www.lamapoll.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">LamaPoll<\/a>-Spende in H\u00f6he von 1.000 Euro freuen. Damit kamen wir dem Wunsch unserer Software-Entwicklerin Phoenix Pirschel nach, die die Berliner Initiative aus \u00dcberzeugung unterst\u00fctzen wollte. Der Freiheitsfonds setzt sich bereits seit der Gr\u00fcndung im Jahr 2021 daf\u00fcr ein, das Fahren ohne Ticket zu entkriminalisieren, Menschen aus der Ersatzfreiheitsstrafe im Rahmen des \u00a7265a des Strafgesetzbuchs zu befreien und auf die gesellschaftlichen Hintergr\u00fcnde dieser Strafen aufmerksam zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um einen genaueren Einblick in die Arbeit der Initiative und den aktuellen politischen Kontext rund um das Thema Ersatzfreiheitsstrafen zu bekommen, haben wir uns an Leonard Ih\u00dfen vom Freiheitsfonds gewandt. Im nachfolgenden Interview erl\u00e4utert er uns dankenswerterweise sehr ausf\u00fchrlich, welche Entwicklungen es derzeit gibt und welche Ver\u00e4nderungen der Freiheitsfonds mit seiner Arbeit anst\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kam die Idee f\u00fcr den 2021 gegr\u00fcndeten Freiheitsfonds zustande?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Freiheitsfonds wurde im Zuge von Investigativ-Recherchen von &#8222;<a href=\"https:\/\/fragdenstaat.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FragDenStaat<\/a>&#8220; gegr\u00fcndet. Das Team arbeitete in diesem Fall mit dem &#8222;Neo Magazin Royale&#8220; zusammen an einer Sendung \u00fcber die Kriminalisierung von Armut &#8211; bzw. \u00fcber die Gef\u00e4ngnisstrafen f\u00fcr fehlende Bus- und Bahntickets.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der Vorbereitungen stie\u00df das Team auf die M\u00f6glichkeit, betroffene Inhaftierte freizukaufen. Das machte die Ungerechtigkeit noch sichtbarer: Denn die meisten Menschen, die wegen dieser Bagatelle im Gef\u00e4ngnis sitzen, tun das aufgrund von Zahlungsunf\u00e4higkeit. Gerichtlich hatte waren sie zu einer Geldstrafe verurteilt worden, doch weil sie zu wenig Geld hatten, diese zu bezahlen, kamen sie ersatzweise ins Gef\u00e4ngnis &#8211; in Ersatzfreiheitsstrafe. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Sendung meldeten sich tausende Menschen bei uns und baten uns, diese Freik\u00e4ufe weiterzuf\u00fchren und politisch f\u00fcr eine Entkriminalisierung dieser Strafpraxis zu k\u00e4mpfen. Das machen wir seitdem.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den vergangenen Jahren konnten durch Spendengelder knapp 1.500 Menschen vor Haftstrafen bewahrt oder freigekauft werden. Wie reagieren Politik und Justiz auf Ihre Arbeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein beinah vergessenes Gesetz hat durch unsere Arbeit viel Aufsehen bekommen. Vergessen war das Gesetz nicht in der Praxis. Dort trifft es j\u00e4hrlich bis zu 9.000 Menschen, die wegen fehlender Bus- und Bahntickets inhaftiert werden. Doch fehlte es an politischen Reformpl\u00e4nen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Betroffenen dieser Praxis haben keine Lobby. Sie werden von der Politik \u00fcbersehen und teilweise missachtet. Durch unsere Kampagne konnten wir auf diesen Missstand aufmerksam machen. Seitdem sprechen sich immer mehr Menschen, Institutionen und Parteien f\u00fcr eine Entkriminalisierung des Fahrens ohne Ticket aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Im vergangenen Jahr lag endlich ein Gesetzentwurf vor, der die Beseitigung des veralteten Paragrafen vorsah. Das war im Oktober &#8211; wenige Wochen bevor die Ampelregierung zerbrach. Aus diesem Grund kam der Gesetzentwurf nie in den Bundestag &#8211; aus diesem Grund kommen auch heute noch Menschen wegen fehlender Bustickets ins Gef\u00e4ngnis. Es ist absurd. Auch weil die Justiz selbst die Probleme dieses Paragrafen anprangert. Die meisten der Anfragen, die uns erreichen, erhalten wir von JVA-Beamt:innen. Auch dort hat man l\u00e4ngst verstanden, dass dieser Paragraf eines modernen Rechtsstaats unw\u00fcrdig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist die neue Justizministerin Stefanie Hubig in der Verantwortung. Allein sie kann nun f\u00fcr eine Beseitigung dieses veralteten Paragrafen das dem Jahr 1935 sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einige St\u00e4dte und Kommunen verzichten inzwischen auf Strafanzeigen wegen Fahrens ohne Fahrschein. Wie ist der Stand in Berlin?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das stimmt, die Kommunen und St\u00e4dte, die beschlie\u00dfen, dass in ihrem Stadtgebiet niemand mehr wegen ein paar fehlender Tickets im Wert von 3,60 Euro ins Gef\u00e4ngnis kommen darf, werden immer mehr. Mittlerweile sind es 13 &#8211; darunter Frankfurt, K\u00f6ln, Dresden und Potsdam.<\/p>\n\n\n\n<p>In Berlin hat das noch nicht geklappt. Was eine andere Gerechtigkeitsfrage aufwirft: Wie kann es eigentlich sein, dass man in der Hauptstadt noch wegen eines Paragrafen von 1935 ins Gef\u00e4ngnis kommen kann, w\u00e4hrend andere St\u00e4dte bereits in der Gegenwart angekommen sind und niemanden mehr wegen ein paar fehlender Tickets inhaftieren? Wir hoffen darauf, dass die Hauptstadt hier bald nachzieht. Es w\u00e4re ein wichtiges Signal an den Rest der Republik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am 27. November gibt es den bereits 15. Freedom Day, um Betroffene aus dem Gef\u00e4ngnis zu befreien. Ist in absehbarer Zeit mit einer Entkriminalisierung der sog. \u201eBef\u00f6rderungserschleichung\u201c auf Bundesebene zu rechnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden gewinnen. Das ist allen klar. Dieser Paragraf kann nicht ewig bestehen. Dazu ist die Kritik viel zu gro\u00df. Die Frage ist nur wann? Derzeit schweigt die Justizministerin zu Reformpl\u00e4nen. Und das, obwohl sich ihre Partei &#8211; die SPD &#8211; bereits mehrfach f\u00fcr eine Streichung des Paragrafen ausgesprochen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit unserem Freedom Day versuchen wir dieses Schweigen zu brechen. Und das Gute am Freiheitsfonds ist: Wir fordern nicht nur, wir setzen das um, was wir fordern. Zusammen holen wir schon jetzt Menschen aus dem Gef\u00e4ngnis, die wegen dieser Lappalie einsitzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie viele Anfragen erh\u00e4lt der Freiheitsfonds circa pro Tag? Kann jeder betroffenen Person geholfen werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist sehr unterschiedlich und h\u00e4ngt oft stark davon ab, wann der n\u00e4chste Freedom Day ist. Das sind die Stichtage, an denen wir Personen aus den Gef\u00e4ngnissen freikaufen. An normalen Tagen &#8211; unabh\u00e4ngig vom n\u00e4chsten Freedom Day &#8211; erreichen uns derzeit etwa 5 Anfragen pro Tag. Aber sobald wir den Freedom Day ausrufen, erreichen uns auch mal bis zu 15 Anfragen, von JVA-Beamt:innen oder Gefangenen per Brief.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es abgesehen von Spenden noch andere M\u00f6glichkeiten, die Initiative zu unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man kann uns auch ohne Geld unterst\u00fctzen. Zum Beispiel, in dem man unsere <a href=\"https:\/\/weact.campact.de\/partnerships\/initiative-freiheitsfonds\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Petition bei Campact<\/a> unterzeichnet oder sich auf unseren Newsletter eintr\u00e4gt. Dort informieren wir auch \u00fcber andere M\u00f6glichkeiten, aktiv zu werden. Meine absolute Lieblingsm\u00f6glichkeit: Vork\u00e4mpfer:in f\u00fcr die Entkriminalisierung in der eigenen Stadt werden! Denn die ganzen St\u00e4dte, die die Gef\u00e4ngnisstrafen bereits abgeschafft haben, gehen auf engagierte Kommunalpolitiker:innen zur\u00fcck, die sich daf\u00fcr eingesetzt haben, dass zu mindestens in ihrer Stadt keine Strafantr\u00e4ge mehr bei fehlenden Bustickets gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November konnte sich der Freiheitsfonds \u00fcber unsere LamaPoll-Spende in H\u00f6he von 1.000 Euro freuen. Damit kamen wir dem Wunsch unserer Software-Entwicklerin Phoenix Pirschel nach, die die Berliner Initiative aus \u00dcberzeugung unterst\u00fctzen wollte. 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